Inmitten einer Szenerie von Talbecken
und Mittelgebirgen liegen die hohen und schroffen
Felsgipfel der Hohen-Tatra (Vysoké Tatry), die durch
ein reichhaltiges vertikal gegliedertes glaziales
Relief gekennzeichnet sind. Tektonische Bewegungen
sowie das Wirken längst verschwundener Gletscher haben
die heute anzutreffende Gestalt dieses Gebirgsmassivs
und seiner Täler geformt. Insbesondere die Ausprägung
der Täler ist auf die Gletschertätigkeit zurückzuführen,
deren breiter Talboden von der Talmündung bis in den
Talschluss stufenartig unter Ausbildung von flachen
Terrassen ansteigt.
Zudem führte das Abschmelzen der Gletscher vor 8.000
- 10.000 Jahren zu einer schrittweisen, aber noch
immer andauernden Erosiontätigkeit mit Ausbildung
von Geröllkegeln und langgezogenen Gesteinsschutthalden.
Der in Form eines nach Süden verlaufenden Rundbogens
ausgebildete Hauptkamm der Hohen-Tatra erstreckt sich
auf einer Länge von nur 26 km und führt vom westlich
gelegenen Gebirgssattel Ľaliové sedlo (1.947 m ü.d.M.)
zu dem in der Ost-Tatra befindlichen Gebirgssattel
Kopské sedlo (1.750,2 m ü.d.M.). Hierbei ist der Svinica
(2.301 m ü.d.M.) der westlichste und der Jahňací štít
(2.229,6 m ü.d.M.) der östlichste Gipfel im Hauptkamm.
Aus dem Hauptkamm gehen 5 südliche (Kriván, Končistá,
Gerlachovský štít, Slavkovský štít, Lomnický štít)
und mehrere nord-, nordwestliche Seitenhorste (Vyšný
Žabí štít, Široká, Wołoszyn, Opalony Wierch, Koscielec)
hervor, von denen die südlichen wesentlich kürzer
und höher sind. So führt der Gerlachovský štít mit
2.654,4 m ü.d.M. die Rangfolge der höchsten Gipfel
im Gebirgsmassiv der Hohen-Tatra an. Es folgen Gerlachovská
veža (2.642 m ü.d.M.), Lomnický štít (2.633,9 m ü.d.M.),
Ľadový štít (2.627,3 m ü.d.M.), Pyšný štít (2.623
m ü.d.M.), Zadný Gerlach (2.616 m ü.d.M.), Lavínový
štít (2.606 m ü.d.M.), Malý ľadový štít (2.602 m ü.d.M.),
Kotlový štít (2.601 m ü.d.M.) und Lavínová veža (2.600
m ü.d.M.).
Im Kontrast zu den zerklüfteten Berggraden, den steilen
Felswänden und schroffen Gipfeln stehen über 30 Täler,
die interessante Naturattraktionen wie Gletscherkessel,
Amphitheater, hohe Felsstufen, Talmulden, Wasserfälle
und optisch reizvolle Gletscherseen (Meeraugen) bieten.
Schätzungsweise wurden auf dem Gebiet der Hohen-Tatra
zwischen 120 - 190 Bergseen gezählt, wobei viele als
solche im Zuge der "Verlandung" (Moor) nicht
mehr als solche zu erkennen sind oder nur noch zeitweise
Wasser führen. Zu den größten Bergseen der Hohen-Tatra
zählen Morské Oko (34,93 ha), Wielki Staw (34,35 ha),
Czarny staw (20,46 ha), Veľké Hincovo pleso (20,08
ha), Štrbské pleso (19,76 ha), Nižné Temnosmrečinové
pleso (12,00 ha), Vyšné Bielovodské Žabie pleso (9,56
ha), Popradské pleso (6,88 ha), Vyšné Temnosmrečinské
pleso (5,55 ha), Nižné Terianske pleso (5,47 ha),
Vyšné Wahlenbergovo pleso (5,18 ha), Krivánske Zelené
pleso (5,16 ha) und Nižné Bielovodské Žabie pleso
(4,65 ha). Mit 79,3 m ist der Bergsee "Wielki
Staw" im Tal "Dolina Pięciu Stawów Polskich"
der tiefste Bergsee in der Tatra.
In einer Höhe von 2.192 m ü.d.M. befindet sich im
Tal Malá Studená dolina der höchstgelegene Bergsee
Modré pleso.
Das Gestein der Hohen-Tatra besteht vorwiegend aus
Granit, wobei sich zwischen diesen sogenannten "Granodioriten"
vereinzelt auch andere Gesteinsarten wie Gneise, Glimmer-
und sonstige kristalline Schieder (Metamorphite) befinden.
Dabei präsentiert sich der Tatragranit als wenig kompakt
und stark zerklüftet, was besonders Alpinisten bei
schwierigen Bergtouren vor besondere Herausforderungen
stellen kann.