Die geografische Ausdehnung der Tatra-Region (Gebiet
TANAP/TNP) umfasst insgesamt ein Gebiet von 19 Grad
36 Minuten bis 20 Grad 15 Minuten östlicher Länge
sowie von 49 Grad 2 Minuten bis 49 Grad 20 Minuten
nördliche Breite, wobei der polnische Teil des Tatra-Nationalparks
zwischen 19 Grad 45 Minuten bis 20 Grad 08 Minuten
östlicher Länge und 49 Grad 10 Minuten und 49 Grad
20 Minuten nördlicher Breite liegt.
Zehn der höchsten Gipfel dieser Region erreichen
eine Höhe von mehr als 2.600 m.ü.d.M. und befinden
sich im Gebirgsmassiv der Hohen Tatra. Mit einer Höhe
von 2.655 m.ü.d.M. nimmt der Gerlachovský ¹tit den
Spitzenplatz unter den höchsten Gipfeln dieser Region
ein. Im Gegensatz dazu erreicht der höchste Gipfel
im Bereich der West-Tatra (Bystra) nur eine Höhe von
2.248 m.ü.d.M.
Erdgeschichtlich reicht die Entstehung der Tatra
bis zum Karbon im Paläozoikum vor ca. 300 Millionen
Jahren zurück als der kristalline Kern (Metamorphite,
Granodioriten) durch erkaltende Lava entstand und
unter einer dicken Schicht von weicheren Gesteinsformen
begraben war. Während des Mesozoikums bis zum Tertiär
im Känozoikum wurde diese Region mehrfach von einer
Meeresoberfläche bedeckt. Durch die Ablagerung von
Meeressedimenten bildete sich eine Zone, bestehend
aus Kalkstein, Dolomite, Quarzstein und Schiefern,
die sich heute als geologische Grundlage eines beträchtlichen
Teils der Tatra ausgehend von Sivý vrch in der West-Tatra,
Roháèska dolina, Osobitá, dem Gebirge Èervené vrchy
über die Nordhänge der Hohen-Tatra bis zur Belaer-Tatra
erstreckt. Die eigentliche Geburtsstunde der Tatra
datiert in die Zeit des Tertiärs, einer Zeit erdumfassender
Gebirgsbildungen (Orogenesen) in der sich u.a. auch
die Pyrenäen, die Alpen, der Atlas, der Apennin, der
Kaukasus und die Hochgebirge in Zentralasien aufgefaltet
haben. Im Neogen (Frühtertiär) vor 15 - 20 Millionen
Jahren zunächst ein niedriges Mittelgebirge nahm die
Tatra erst in den letzten 2 Millionen Jahren durch
tektonische Verschiebungen, der Tätigkeit von Gletschern
(Pleistozän), Karstprozessen und Erosion seine heutige
Gestalt an.
Neben den aus mesozoischen und tertiären Sedimenten
strukturierten Gebirgsteilen bildet der paläozoische
kristalline Kern den Hauptanteil der primären geologischen
Struktur des Hauptkammes, der südlichen Nebenhorste
und Abhänge in der West- bzw. Hohen-Tatra. Im Unterschied
zu den in der West-Tatra vorherrschenden Metamorphiten
überwiegen innerhalb der Hohen-Tatra dabei Granodioriten.
Insbesondere durch den Einfluß der Gletschertätigkeit
und der aus ihnen abfließenden Wassermassen kam es
im Umfeld des Gebirges zur Ausbildung von mächtigen
Moränen, die aus verschiedenen Gesteinsmaterialien
bestehen. Häufig haben sich durch Abdämmung in diesen
Möränen Bergseen entwickelt, die auch heute noch vorhanden
sind (Popradské pleso). Andererseits wurden die Gesteinsschichten
in den höher gelegenen Regionen ausgehölt, was zur
Ausbildung von Karseen führte.
Auch gegenwärtig sind die reliefbildenden Prozesse
nicht abgeschlossen, sondern wirken in Form mechanischer
Erosion durch Frost, Sonneneinstrahlung und Wassereinwirkung
fort. Durch Schneelawinen, Steinschlag und die reißenden
Bergbäche werden große Mengen an verwittertem Material
abgeführt.
In den Karstgebieten der Tatra finden sich über 650
Höhlen, davon 15 mit einer Länge von mehr als 1 km.